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11. bis 13. Juni 2021 | Komturplatz, Schlossberg, Rathausplatz

Position_900-Freiburg sonifiziert

Zur 900-Jahr-Feier der Stadt Freiburg entwickeln die beiden Musiker Harald Kimmig und Ephraim Wegner (The Human Factory/un-sound e.V.) eine auf die Stadt Freiburg zugeschnittene Klangintervention im öffentlichen Raum für ein 8-köpfiges Streicherensemble und Elektronik. Über 60 Minuten verbinden sich instrumental und synthetisch generierte Klänge subtil mit der Klanglichkeit des Ortes. Die Komposition orientiert sich an einem Zeitstrahl, der verschiedene Daten der Stadt Freiburg (Jahreszahlen aus historischen Ereignissen, statistische Daten wie Einwohnerzahlen & Grundfläche der Stadt, geodätische Daten wie Längen-und Breitengrad, Höhe ü.d.M. etc.) zusammenfügt und bestimmten kompositorischen Prozessen unterwirft. Die Partitur für das Streicherensemble arbeitet dabei sowohl mit klassischer westlich-moderner Notenschrift als auch mit offeneren grafischen Elementen, Spielanweisungen und Erläuterungen. Das Streicherensemble spielt gemeinsam mit 8 miteinander vernetzten Einplatinencomputern, die über kleine mobile Lautsprecher vor Ort zu hören sind. Durch geringe Tonabstände und unstetige Rhythmen beginnen die jeweiligen Stimmen im Zusammenspiel Interferenzmuster zu bilden.

Tonfolgen und Gestaltungsmittel für die Elektronik werden so zur Streicherpartitur angelegt, dass sie Störung, aber auch Ergänzung sein können, miteinander und gegeneinander laufen. Die Steuerung dieser Elemente wird dem Netzwerk überlassen und ist damit an Zufallsprozesse, Wechselwirkungen und seismologische Daten gebunden, die mit einem Sensor in Echtzeit vor Ort gemessen werden. An dieser Stelle werden kreative Prozesse automatisiert und ausgelagert. Die Alltagsgeräusche und die normale Betriebsamkeit des Ortes sind Teil der Komposition. Über die Form der Sonifikation wird den bespielten Orten in der Intervention eine jeweils eigene Stimme verliehen und es entstehen drei sehr unterschiedliche Interpretationen.

Eine Vielzahl verschiedenster Akteure menschlicher und nichtmenschlicher Natur treten auf vielfältige Weise in Beziehung, finden zueinander, stoßen sich ab, werden absichtsvoll oder zufällig zu Mitgestalter_innen der Komposition. Sie betreten einen künstlerischen Raum in ihrer alltäglichen Umgebung ohne die räumlichen, finanziellen und rituellen Hürden eines Konzert- oder Kunstraumes überwinden zu müssen. Zeitgenössische Musik, die sie sich sicht- und hörbar und im wörtlichen Sinn des Wortes zugänglich macht und verdeutlicht, dass auch die Zuhörer_innen selbst Teil der Gegenwartsklänge sind.

Mitwirkende:
Felicitas Ohnmacht, Violine
Hannah Lessing Juval, Violine
Clara Marie Kupke, Violine
Katharina Schmauder, Viola
Valentin Steckel, Viola
Harald Kimmig & Ephraim Wegner, Idee & Umsetzung
Helga Maria Craubner & Astrid Wegner, Organisation

Kreisförmiges in Punkten angeordnetes Bild
(Foto: Generative Gestaltung)
Mann mit Geige in der Hand steht draußen im Regen
Harald Kimmig mit Geige im Regen (Foto: Markus Frietzsch)