Ein besonderes Projekt in besonderen Zeiten

Chancen und Möglichkeiten

oder was können wir mit dem Briefprojekt erreichen
 

Vor dem Hintergrund der langen Geschichte des Briefes und seiner darin zum Ausdruck kommenden vielfältigen Funktionen und Eigenschaften kann das Medium Brief eine wunderbare Möglichkeit darstellen, unsere augenblickliche Zeit zu reflektieren und zu beschreiben. Damit können wir den Menschen in 100 Jahren Einblicke liefern und Auskunft geben über uns und unsere Zeit - intim, subjektiv und doch in seiner Gesamtheit dann auch umfassend und daher schon fast wieder objektiv.

Diese Auseinandersetzung mit uns selbst, mit unseren Umfeld, unseren Probleme und Ängste, aber auch mit unseren Hoffnungen und Wünschen kann zu einer Vielzahl von interessanten und spannenden Aktivitäten führen … und das alles äußerst Pandemie kompatibel.

(1) Reflexion

  • Wie sieht Freiburg, wie sieht die Welt in 100 Jahren aus?
  • Was hoffe ich, was wünsche ich mir?
  • Wovor habe ich Angst?
  • Was bedeutet für mich in meiner Gegenwart Glück, was wird für die Menschen im Jahr 2120 Glück bedeuten?
  • Was wünsche ich den Menschen in Freiburg zu ihrem 1000. Stadtjubiläum?
  • Möchte ich, dass mein Brief in 100 Jahren veröffentlicht wird oder soll er eine reine private Angelegenheit bleiben und nur für meinen Adressaten gedacht sein?
  • Würde ich meinen Brief anders schreiben wenn ich wüsste, dass der Brief in 100 Jahren veröffentlicht wird?
  • Würde ich meine Brief anders schreiben wenn ich wüsste, dass er in 10 Jahren, also noch zu meinen Lebzeiten, veröffentlich werden würde?

(2) Kommunikation

  • Mit wem möchte ich am liebsten über das Medium Brief kommunizieren?
  • Wer ist mein Ansprechpartner / meine Ansprechpartnerin?
  • Wie wird in 100 Jahren kommuniziert werden?
  • Was ist für die Menschen in 100 Jahren interessant, was werden sie von uns und über uns wissen wollen?
  • Habe ich konkrete Wünsche in Bezug auf meinen Briefempfänger / meine Briefempfängerin?
  • Darf ich meinem Adressaten / meiner Adressatin Ratschläge erteilen? Wenn ja, wie muss ich das formulieren, damit es nicht anmaßend oder besserwisserisch klingt?

(3) Schöpferische Arbeit

  • ich habe schon lange keinen handschriftlich geschriebenen Brief geschrieben; ich freue mich auf das Experiment.
  • damit mein Brief den 100-jährigen Dornröschenschlaf unbeschadet übersteht, muss ich die dafür notwendigen Anforderungen und Maßnahmen berücksichtigen.
  • schon bevor ich zu Schreiben beginne, muss ich für mich zahlreiche Fragen beantworten.
  • im Verlauf des Briefschreibens werden neue Fragen auftauchen. Ich muss meine Gedanken ordnen, mir eine Struktur schaffen.
  • meinen Freunden und Freundinnen wird es nicht anders gehen. Vielleicht können wir zumindest Teile des Briefes gemeinsam schreiben oder uns zusammen über Fragen und Probleme austauschen.
  • Die Kommunikation beginnt schon vor dem Schreiben; vielleicht wäre das auch ein spannendes Projekt in meiner Klasse?

(4) Wissensvermittlung

  • vielleicht hilft es mir, wenn ich einmal einige bekannte Briefe lese und mich mit ihnen auseinandersetze?
  • wie schreibt man einen „richtigen“ Brief. Gibt es „gute“ oder „schlechte“ Briefe?
  • Was lerne ich aus den Briefen, die ich gelesen habe? Sind Briefe wirklich ein Spiegel der Welt?
  • Briefe sind nicht nur ein Gegenstand der Literatur, sondern sie werden auch in anderen Medien aufgegriffen bzw. behandelt, z.B. in Filmen oder im Theater. Finde ich Beispiele, die mir helfen, mich inspirieren?

Dies und noch vieles mehr kann das Ergebnis der Mitwirkung an „Alles Liebe, Dein/e sein. Wir hoffen, dass zumindest ein Teil dieser Themen aufgegriffen wird. Vor allem aber hoffen wir, dass die Teilnahme am Projekt uns allen Freude bereitet und dass wir die Möglichkeit haben werden, möglichst viele der begleitenden Veranstaltungen zu besuchen.
… und natürlich wünschen wir uns, dass der „Brief an die Zukunft“ nicht  der letzte Brief sein wird, den wir schreiben werden, denn glücklich ist, wer korrespondiert!

Briefe aus dem 900. ins 1000. Jubiläumsjahr der Stadt Freiburg