StadtWaldMensch - 900 Jahre Wald für Freiburg

Die neue Ausstellung im Waldhaus Freiburg

Was wäre die Stadt Freiburg ohne ihren Wald? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer jüngst eröffneten Sonderausstellung des Waldhauses - und sie wird umfänglich beantwortet.

Ohne den Wald, so bringt es die Kuratorin der Ausstellung und stellvertretende Waldhausleiterin Margret Hansen auf den Punkt, hätte die Stadt nicht leben können. In der „Schatzkammer“ erwarten das Publikum elf Schreine und Lauschkästen, die die früheren und heutigen Leistungen des Waldes anschaulich machen. Dabei greift die Schau weit in die Vergangenheit zurück. Denn Anlass der Ausstellung ist das 900. Stadtjubiläum, und es sind diese Jahrhunderte, die den Zeitrahmen der Betrachtung abstecken.

Da ist zunächst das Holz selbst, das einen wichtigen Baustoff und eine unersetzliche Energiequelle darstellte. Ohne Holz wäre zum Beispiel der wirtschaftlich bedeutende Silberbergbau nicht möglich gewesen. Holz benötigte man zum Abstützen der Stollen, als Feuerholz zum Zermürben des Gesteins sowie in Form von Holzkohle für die Schmelzvorgänge. Für die 1000 Kilogramm Silber, die Freiburg jährlich produzierte, benötigte man beispielsweise Holz von 700 Hektar Fläche - oder sieben Quadratkilometer. Und Holz benötigte man zum Heizen der Gebäude, für Rebstecken und Fässer, für hölzerne Wasserrohre (die Deicheln), Werkzeuge und vieles mehr.

Aber der Wald lieferte mehr als den Rohstoff Holz. Bucheckern und Eicheln dienten der Schweinemast, die Zeidler produzierten wertvollen Waldhonig, Holzasche wurde zu Pottasche verarbeitet und damit die Glasherstellung ermöglicht.

Manche Leistungen und Produkte des Waldes sind jetzt Vergangenheit – dafür sind andere hinzugekommen. Der Stadtwald ist heute nicht nur ein bedeutender Erholungsort für die Großstädter, sondern auch ein Speicher für Kohlendioxid und liefert mit dem Holz eine wichtige Alternative zu energieintensiven Materialien.

Auch die Waldarbeit wird in der Ausstellung beleuchtet. Beeindruckend die Schilderungen des Schlittelns, bei dem Brennholz tonnenweise auf schweren Holzschlitten zu Tal befördert wurde. Eine sehr gefährliche Arbeit, die teilweise noch bis in die Nachkriegszeit ausgeübt wurde. Ein Originalschlitten ist in der Ausstellung zu sehen, Zeitzeugenberichte und ein Kurzfilm dokumentieren die Waldarbeit dieser Zeit. Zu sehen sind auch die ersten Motorsägen, die bereits in den 40er-Jahren aufkamen.

Waldhaus und Forstamt haben die Ausstellung gemeinsam konzipiert und beweisen wieder einmal, dass sich die Forstpartie auf dem historischen Parkett elegant bewegen kann. Kein Wunder, ist doch der Produktionszyklus im Wald so lang wie sonst nirgends. Zwischen Pflanzung und Holzernte vergehen mindestens hundert Jahre – oft aber noch viel mehr. Rückschau wie Voraussicht sind Bestandteile jeder aktuellen forstlichen Praxis – somit sind Förster auch immer Historiker und Zukunftsforscher gleichermaßen.

Das Waldhaus ist ab Dienstag, 2. Juni, von Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Vor dem Besuch kann man sich unter www.waldhaus-freiburg.de oder Tel. 0761/89647710 über die geltenden Hygiene- und Schutzauflagen informieren. Alle Besucher müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Entzündung eines Kohlenmeilers

Begleitend zur Stadtwald-Ausstellung im Waldhaus entzündet das Forstamt einen Kohlenmeiler im Sägendobel. Im Herbst können die Freiburger und Freiburgerinnen ihre Grillkohle dann direkt beim Amt kaufen. Zuletzt gab es einen solchen Meiler mit anschließendem Kohleverkauf vor fünf Jahren. Weitere Infos unter www.freiburg.de

(Erstellt am 22. Juni 2020)