Verlängert bis Anfang Oktober 2020 | Karl-Rahner Haus

Bruno Schley - Blicke eines Unbekannten auf Münster und Stadt - Freiburg 1912 - 1967

Bruno Schley muss vielen Freiburgern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekannt gewesen sein, denn er war als Werbegrafiker in Freiburg überall präsent. Dass seine Entwürfe für Ganter, Möbel-Dietler, Bally und viele andere, ebenso wie seine Gestaltung der Zeitschrift des Münsterbauvereins oder seine Deckblatt-Entwürfe für die unterschiedlichsten Verlage auf einem immensen grafischen und malerischen Schaffen aufbauten, das blieb den meisten bis heute verborgen, obwohl das Augustiner-Museum 1969 eine ganze Reihe von Zeichnungen ankaufte.

Der gebürtige Rastätter Bruno Schley, der ab 1914 für eine umfassende drucktechnische Ausbildung zu Poppen&Ortmann nach Freiburg kam, ist mit Bleistift, Kreide und Pinsel sein Leben lang durch Freiburg und seine Umgebung gestreift. Dabei hat er viele prägnante Blicke auf Gassen und Häuser vor den großen Zerstörungen des 2. Weltkriegs mit dokumentarischer Genauigkeit festgehalten. Er ist auch gerne auf die umliegenden Höhen gewandert und hat Freiburg mit dem Münsterturm im Zentrum von Osten, Süden und Norden gezeichnet oder gemalt. Auf dieser Basis hat er 1920 selber ein Buch mit 36 farbigen Miniaturen zum 800-jährigen Jubiläum Freiburgs erstellt. Darin werden nicht nur repräsentative Gebäude gezeigt sondern auch die Menschen in der Stadt: Passanten vor dem Schwabentor, Freiburger, die ins Theater oder in die gegenüber liegende Synagoge gehen, Marktgänger auf dem Münsterplatz. Diesen Blick für das Leben in der Stadt fokussiert er bis in die 60er Jahre auch auf einzelne Berufsgruppen, besucht Gerichtsverhandlungen, geht in Krankenhäuser und zeigt typische Szenen aus dem Berufsleben der Ärzte, der Drucker, der Juristen und anderer. Mit Beginn der 40er Jahre setzt ein umfangreicher Zyklus von Bildmeditationen ein, die das Leid Christi umkreisen. Kurz darauf treffen die Verheerungen des 2. Weltkriegs Schley selbst und seine Familie schwer. Das Haus in der Reischstraße wird bei einem der letzten Luftangriffe 1945 vollständig zerstört, die Eheleute Schley werden mit ihrer Tochter im Keller verschüttet und überleben nur knapp. Der alte Friedhof taucht erneut in seinen Bildern auf, wie bereits während des 1. Weltkriegs. Ebenso zeichnet er die zerstörte Stadt und bringt Ängste im Zusammenhang mit der Wiederbewaffnung und der atomaren Rüstung ins Bild. Außerdem geht er jahrelang jeden Sonntag in den Münstergottesdienst, um diesen als Messdiener mitzugestalten und intensiviert seine Bildmeditationen über religiöse und existentielle Themen in großformatigen Kreidezeichnungen. So beobachtet Bruno Schley über ein halbes Jahrhundert lang das städtische Leben in Freiburg. Er hat aber ebenso das dörfliche Lebens drumherum, insbesondere im Schwarzwald und im Markgräfler Land, mit liebevoller Präzision und expressiver Gefühlsintensität bildnerisch festgehalten.Begleitend zur Ausstellung wird ein Buch mit über 300 Abbildungen erscheinen.

Ausstellung vom 16. März - bis Anfang Oktober 2020
Karl-Rahner-Haus, Habsburgerstraße

Bitte beachten:
Auf Grund der aktuellen Lage ist die Besichtigung der Ausstellung nur nach vorheriger Absprache und Anmeldung in Gruppen bis max. 20 Besucher_innen wochentags ab 16.30 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen möglich.
Kontakt: jan.blass@t-online.de / uli.fuehre@t-online.de

Das digitale Angebot zur Ausstellung finden Sie hier
www.2020.freiburg.de/pb/site/freiburg_2020/node/1532312

Aquarellbild von Freiburg mit blauem Himmel
(Bild: Martin Schley)
Tuschezeichnung eines Seiltänzers vor dem Münster
(Bild: Martin Schley)
Bleistiftzeichnung Münster mit Häusern, Bäume rechts und links
(Bild: Martin Schley)
Bleistiftzeichnung Häuser mit Münster im Hintergrund
(Bild: Martin Schley)